Tagebuch Höllenritt 2008
"Höllenritt"
- eine würdige Bezeichnung für diese Tour. 833 Kilometer quer durch die Alpen, 18544 Höhenmeter, 19 Pässe und dies in 7 Tagen, eine Herausforderung für jeden Hobbyfahrer,die nicht nur durch große Sprüche glänzen wollen.
Höllenritt durch die Alpen
Die Teilnehmer
von links
Vincent - "Vince"
Jörg - " Doc"
Thomas - "Tomsen"
Klaus - "Schnurri"
Frank - "Hühnchen"
Nathan unser Wachhund und ich "Udo"
Freitag, 22.08.08
......Regen, Regen , Regen......das wünschen wir uns nicht für die kommende Woche, sonst wird die Tour noch viel härter. Es ist halb neun Uhr abends als Frank und Jörg aus Sangershausen und Klausi aus Kassel und Thomas aus Frankfurt bei mir ankommen. Schnell die Räder und die Sportkleidung im Anhänger verstauen und dann gibts noch ein gemütliches Abendessen in einem Lokal in Elgersweier. Ich selbst habe noch einiges im Büro zu tun, bevor auch ich mich zur Ruhe begeben kann,
Samstag, 23.08.2008
60 km - 849 hm
Nach einer regnerischen Fahrt kommen wir 13:45 Uhr in unserem Hotel in Annecy an. Check in, umziehen, Räder richten und dann gehts zur ersten Runde - unseren sogenannten Prolog. Auf dem Col werden einige Bilder gemacht und dann gehts zurück ins Hotel. Für den Anfang war diese Tour, bei herrlichem Wetter wirklich klasse. Am Abend statten wir der schnuckeligen Altstadt von Annecy einen Besuch ab, und genießen unser erstes Essen in Frankreich, natürlich in einer Pizzaria.
Sonntag, 24.08.2008
129 km - 2299 hm
Die ganze Tour wird ausschließlich mit dem Rad gefahren, nur ich und Nathan haben das Vergnügen die "Helden der Berge" mit dem Auto zu begleiten. Das Gepäck nehme ich natürlich mit und für die Verpflegung mit Getränken und Essen bin ich auch zuständig. Die heutige Etappe führt von Annecy nach St. Jean de Maurienne, und dazwischen liegen der Col de Tamie und Col de Madeleine, die erste wahre Herausforderung. Gut gestärkt am Buffett, verlassen wir um 09:00 Uhr das Ibis-Hotel in Annecy.
Nach einer Pastastärkung auf dem Col de la Madeleine steht die lange Abfahrt nach St. Jean Maurienne auf dem Programm. Eine kurze Erfrischung im Biergarten und anschließend die Dusche, da freuen wir uns drauf. Im Hotel Saint Georges werden wir bestens untergebracht und die Altstadt ist auch wirklich schön. Zum Abendessen landen wir wiedereinmal in einer Pizzaria.128 km und 2299 Höhenmeter stehen am Abend auf dem Zähler
Montag, 25.08.2008
123 km - 3402 hm
Pünktlich wie gewohnt, stehen wir 09:00 Uhr zur Abfahrt bereit. Heute wird es ein richtig harter Tag werden. Während sich Radler auf den Weg machen, gehe ich erst mal einkaufen. Bananen, Äpfel, Baguette, Salami, Käse und jede Menge Flüssiges stehen auf meiner Einkaufsliste, schließlich solle die Jungs gut über die Berge kommen. Neben den wohlklingenden Namen wird der Col de Sarenne den meisten Radfahrern unbekannt sein. Hier kommen eher Mountainbikes zum Zuge, aber harte Rennradfahrer nehmen auch den holprigen Weg in Kauf.
Nach dem die 30 km Anstieg zum Col de Croix de Fer geschafft sind, gibt es eine kurze Abfahrt zum Glandon und weiter nach Bourg d'Oisans. Warum l'Alp d'Huez so beliebt ist kann ich eigentlich nicht verstehen, denn bei unserer Tour ist er eher als leicht einzustufen. Interessant war auch die Auffahrt zum Col de Sarenne, sehr abenteurlich und leider hat uns hier auch ein kurzer Schauer erwischt. Als Belohnung gab es eine schöne Abfahrt mit Regenbogen und beeindruckender Landschaft und naürlich die Gewissheit, das nur wenige Rennradfahrer hier oben waren.
Vincent kann heute nicht genug kriegen. Als wir bei der Abfahrt nach Bourg d'Oisans an der Abzweigung nach Les deux Alpes ankommen, entscheidet er sich, noch schnell die 608 Höhenmeter unter die Räder zunehmen und stürmt in weniger als 30 Minuten die 9,8 km den Berg hinauf. Wir übernachten in Bourg d'Oisans und zum guten Glück gibt es ein spezielles Radlermenü mit Pasta und Fleisch zum Abendessen. Heute wird keiner alt und alle verschwinden schnell im Zimmer.
Dienstag, 26.08.08
114 km - 2759 hm
Wie schon üblich, sitzen wir zeitig beim Frühstück - nicht alle! Vincent sollte mit Nathan Gassi gehen und hat uns im Fühstückraum nicht gleich gesehen, und aus Frust ha er dann halt auf das Frühstück verzichtet. Die harten Männer starten zu ihrer 5 Etappe und ich fahre zunächst in den nächsten Supermarkt und besorge etwas Bier für Hühnchen, Red Bull für Thomsen und noch einiges mehr. Während die Jungs Les deux Alpes hinauf stürmen, warte ich gemütlich in einem Kaffee am Fuße des Berges.
Nach der Abfahrt von les deux Alpes gibt es das zweite Frühstück, bevor es Richtung Galibier geht. Der Col de Lautaret ist im Prinzip nur ein willkommener Zwischenstopp auf dem langen Weg nach "Oben".Auch hier gibt es noch einen kleinen Imbiss, Bauernbrot mit Schinken und Käse. Der größte Teil ist geschafft, jetzt sind es nur noch 8,5 km bis zum Gipfelpunkt des Galibier. Der Col de Telegraph ist im Verhältnis nur noch eine kleine Zugabe. Bei der langen Fahrt nach St. Jean de Maurienne hängen sich die Männer in den Windschatten von Vincent und sie sind sehr froh daran.
Mittwoch, 27.08.08
165 km - 2713 hm
Schade, leider müßen wir das liebgewonnenen Hotel in St. Jean de Maurienne, Saint Georges wieder verlassen. Es wartet die längste und höchste Etappe auf die Jungs - der Col de l'Iseran. Diese Etappe wird richtig hart - aber, das Wetter ist viel besser als noch vor 3 Wochen, als ich mit meinen Kanadischen Freunden hier drüber sind.
Während sich meine Freunde den Berg hoch plagen, darf ich Augenzeuge eines für mich einzigartigen und bemerkenswerten Geburt eines Kälbchen zu werden. Ich dachte ich traue meinen Augen nicht, als ich ca. 10 km nach Lanslebourg, auf einer Weide, direkt an der Straße diese Kuh sah, als sie gerade ihr Kälbchen gebahr. Über eine Stunde saß ich da und habe dieses Geschehen beobachtet - ein grandioses Erlebnis. Ich werde noch eine Bildergalerie davon veröffentlichen.
Vor lauter Kälbchen hätte ich fast Frank und Vincent vergessen, die am Iseran schon sehnsüchtig auf ihre Windjacken warten, denn die Abfahrt wird ziemlich frisch. Jetzt geht es nur noch bergab durch Val d'Isere - Bourg St. Maurice nach Moutieres ins Ibis-Hotel. Das Abendessen gibts in der Altstadt im Garten einer Pizzaria.
Donnerstag, 28.08.08
Die Königsetappe 153 km - 4454 hm
Tja, das ist die absolute Krönung was sich Frank und Vincent zugemutet haben. Die Zahlen sprechen für sich! Ebenso die klingenden Namen der bewältigten Col's - einfach klasse. Zeitig wie immer gehen die Jungs auf die Piste. Frank und Vincent setzen sich gleich ab, denn deren erstes Ziel ist La Plagne - ein beliebter Winterskiort mit Bob- und Rodelbahn und natürlich als Bergankunft der Tour de France weltweit bekannt. Ein Blick auch das Profil läßt die Anstrengung nur erahnen.
Während Thomsen, Schnurri und Doc auf dem Weg zum Cormet de Roselend sind, stehen Vincent und Frank in la Plagne. Jetzt geht es auf die Verfolgung der drei Mitstreiter. Vincent hätte es fast geschafft, die Drei am Cormet zu treffen. Jetzt gab es erst mal was zu Essen und Trinken. Am Col de Saisies ist es dann soweit, Vincent kommt fast zeitgleich mit den ersten Gipfelstürmern an. Frank kommt einige Minuten später. Der Weg zum Aravis wird gemeinsam aufgenommen. Die heutige Nacht verbringen wir im Hotel Beaulieux in La Clusaz.
Freitag, 29.08.08
84 km - 2081 hm
Die letzte Etappe! Da freuen sich die Jungs aber drauf. Nach dem Start geht es nur wenige Kilometer bergab und dann nehmen wir den Anstieg zum Colombiere. In Le Grand Bernand ist eine Veranstaltung und deshalb müßen wir eine kurze Umleitung in Kauf nehmen. Wie die vergangenen Tagen ist auch heute wieder wunderschönes Wetter. Wir könnten das auch richtig genießen, wäre da nicht noch der Joux Plane mit seinen durchschnittlichen 8,5 % Steigung, und die werden auch nochmal richtig hart.
Jaaaaaaaaaaa, es ist geschafft! Erlösende und glückliche Blicke strahlen mir entgegen. Der Aufenthalt im Garten der Bergwirtschaft, mit herrlichem Blick zum Mont Blanc, wird etwas länger. Jetzt steht nur noch die Abfahrt nach Morzine an. Hier verladen wir die Räder für die Rückreise nach Deutschland und fahren nach Annemasse zur letzten Übernachtung.
Samstag, 30.08.08
Tja, alles hat ein Ende. Acht wundervolle Tage liegen hinter uns und während der Heimfahrt reden wir schon über unsere Pläne im nächsten Jahr. Die Pyrenäen, Andorra und Mont Ventoux sind in der engeren Auswahl. Es war ne tolle Sache und es hat mir mit Schnurri, Doc, Thomsen, Frank und Vincent viel Spaß gemacht. Falls Interesse bei euch liebe Leser geweckt wurde, dann setzt euch einfach mit uns in Verbindung, gerne organisieren wir auch für Sie eine solche Tour.
Bis dann, euer Udo

